Krimis im Dienste der Politik

[Dieser Artikel wurde erstmals 2017 veröffentlicht]

Tötungsdelikte in Deutschland: noch nie gab es so viele wie gegenwärtig. Kein Tag vergeht, ohne dass Menschen Opfer von Mord, Raubmord oder Totschlag werden – zumindest in den meisten Programmen des deutschen Fernsehens. Genauer gesagt: im öffentlich rechtlichen Fernsehen, also bei ARD und ZDF. Private Sender wie RTL spielen hier keine Rolle; sie können im Rahmen der Mediengesetze senden, was sie möchten. Ganz anders die Öffentlich Rechtlichen, deren Geschäftsmodell auf dem allgemeinen Bei-tragszugriff beruht.

Der Programmauftrag von ARD und ZDF lautet: Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung. So steht es im Rundfunkstaatsvertrag. Tatsächlich aber besteht das tägliche Abendprogramm für die Zu-schauer zu einem großen Teil aus Kriminalfilmen, seit Jahrzehnten kurz „Krimis“ genannt. Tag für Tag senden ARD und ZDF sie in Serie – in fast allen Programmen, oft gleich mehrere an einem Abend. Und jede Erstausstrahlung zieht zahlreiche Wiederholungen nach sich.

Man könnte diese Ausuferung eines Genres als belanglos abtun. Schließlich sind Krimis Fiktion und keine Dokumentation. Wirklich? Ihre Machart und Anmutung vermitteln das Gegenteil: Die Filme wollen gespielte Realität sein. Und die Macher im Hintergrund – Drehbuchautoren, Redakteure und Regisseure – folgen dabei offenbar einem erzieherischen Muster.

Die Handlungsabläufe ähneln sich auffällig. Zunächst lernt der Zuschauer vermeintlich Verdächtige kennen: aggressive Jugendliche, Alkoholiker, Kleinkriminelle, Ausländer, Kiffer oder Arbeitslose. Später gesellen sich Personen hinzu, die zunächst völlig unauffällig wirken. Am Ende jedoch ist der Täter meist die Figur, die als rechtschaffen eingeführt wurde – jemand aus geordneten Verhältnissen, gerne aus gutem Hause. Besonders beliebt als Mörder sind Unternehmer und Ärzte, die in luxuriösen, rundum verglasten Villen wohnen.

Zunehmend werden auch islamische Migranten in die Kriminalfälle eingebaut. Selbstverständlich lässt man sie stets in druckreifem Hochdeutsch sprechen. Im November vergangenen Jahres etwa ließ das ZDF in einer Folge von „Soko München“ einen arabischen Gymnasiasten Hölderlin rezitieren. Niemand will Arabern die Fähigkeit absprechen, eine Vorliebe für Hölderlin zu entwickeln. Doch der Hinterge-danke, damit ein Beispiel gelungener Integration präsentieren zu wollen, wirkt reichlich bemüht. Selbst schlichte Gemüter dürften der Figur eines arabischen Hölderlin-Fans wenig Glaubwürdigkeit beimessen. Offebar sollen die Zuschauer manipuliert werden.

Ebenso konsequent wie Migranten als Verdächtige eingeführt werden, sind sie am Ende nie die Täter. Der Platz des Mörders bleibt dem Deutschen vorbehalten. In dieser Hinsicht geben sich die Sender auf verquere Weise patriotisch. Beliebt für die Figur des Mörders sind gutbürgerliche Typen mit Seiten-scheitel oder korrekt gebundener Krawatte – Klischees, die Fernsehredakteure offenbar für Ausdruck eines „kritischen“ Weltbilds halten.

Zunehmend beliebt in Fernsehfilm-Redaktionen sind auch homosexuelle Figuren – selbstverständlich nicht als Täter, sondern ausschließlich als Opfer. So viel politische Korrektheit muss sein. Einen Tief-punkt dieses Sujets bot kürzlich der Film „Liebe und Wut“ aus der ZDF Serie „Der Staatsanwalt“. Ge-zeigt wurden homosexuelle Männer, die in einem Stadtpark beim Kopolieren von einer mit Stöcken bewaffneten „Bürgerwehr“ angegriffen wurden – einer von ihnen wurde sogar ermordet. Verdächtig waren:

  1. die „Bürgerwehr“ (sie ist per se verdächtig),
  2. der Vater des Opfers (wollte seinen Sohn von Homosexualität „heilen“),
  3. ein ebenfalls angegriffener Familienvater (scheinbar zufällig im Stadtpark).

Die Auflösung: Der brave Familienvater war selbst homosexuell und ein Liebhaber des Ermordeten. Fußballkollegen seines Sohnes hatten von der Homosexualität des Vaters erfahren und ihn seitdem ver-höhnt. Der Sohn tötete daraufhin im Park mit einem Spaten den Liebhaber seines Vaters. Das ganze Drehbuch ist eine einzige konstruierte Peinlichkeit.

Vor Jahrzehnten hätte eine solche Räuberpistole vielleicht funktioniert. Heute kann ihr Zweck nur darin bestehen, Bürger als rückständig, vertrottelt oder gar gefährlich darzustellen, wenn sie öffentlich geleb-ter Homosexualität widersprechen – so wie sie auch öffentlich gelebter Heterosexualität widersprechen würden.

Offenbar werden die fiktionalen Inhalte der TV Programme zunehmend komplementär zu den politisch links gefärbten journalistischen Sendungen ausgerichtet. Der Fiktion wird der Anschein von Realität verliehen, und die Zuschauer sehen überall die rot-grüne Sicht auf die Welt. Dabei sind die öffentlich rechtlichen Sender laut Rundfunkstaatsvertrag zur Ausgewogenheit verpflichtet. Dieser Verpflichtung kommen sie jedoch seit Jahren nicht mehr nach. Und die Aufsichtsgremien schweigen.

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